GER-Niveau C1 • Verben

Verbale Nominalisierungen (Vertiefung)

Auf C1-Niveau vertiefen Sie die verbale Nominalisierung systematisch. Sie analysieren die Bildung mit verschiedenen Suffixen (-ung, -nis, -e, Infinitiv als Nomen), verstehen komplexe Nominalisierungen in Fachtexten und üben die Rücktransformation von Nominal- in Verbalstil.

Kernregel: Verbale Nominalisierungen verwandeln Verben in Nomen: entscheiden → die Entscheidung, erleben → das Erlebnis, ankommen → die Ankunft. In Fachtexten tragen sie Genitiv- und Präpositionalattribute: die Durchführung der Maßnahmen.

Wiederholung: Suffixe der Nominalisierung

Verbale Nominalisierungen verwandeln Verben in Nomen. Je nach Suffix ändert sich das Genus und die Bedeutungsnuance.

Suffix Genus Verb → Nomen Besonderheit
-ung die (f.) erforschen → die Erforschung Häufigstes Suffix; Prozess oder Ergebnis
-nis die/das erkennen → die Erkenntnis Ergebnis oder Zustand; das Ergebnis, die Kenntnis
-e die (f.) suchen → die Suche Oft mit Vokalwechsel: bitten → Bitte
Infinitiv das (n.) lernen → das Lernen Immer Neutrum; betont den Vorgang
-tion / -ierung die (f.) organisieren → die Organisation Bei Fremdwörtern lateinischen Ursprungs
-t / -ft die (f.) ankommen → die Ankunft Oft mit Stammänderung: fahren → Fahrt
Tipp: Bei Unsicherheit über das Suffix hilft ein Blick ins Wörterbuch. Nicht jedes Verb bildet Nominalisierungen mit jedem Suffix – -ung ist aber fast immer möglich.

Komplexe Nominalisierungen mit Attributen

In Fachtexten tragen Nominalisierungen häufig Genitivattribute und Präpositionalattribute, die den Text stark verdichten.

Mit Genitivattribut

  • die Durchführung der geplanten Maßnahmen
  • die Überprüfung der eingereichten Unterlagen
  • die Verbesserung der Lebensqualität

Mit Präpositionalattribut

  • die Entscheidung über den Antrag
  • die Teilnahme an der Konferenz
  • der Verzicht auf eine Klageerweiterung

Verschachtelt

  • die Überprüfung der Einhaltung der Vorschriften
  • die Verbesserung der Qualität der medizinischen Versorgung
Achtung: Genitivketten (über zwei Genitive hintereinander) sollten vermieden werden, da sie schwer lesbar werden: *die Überprüfung der Einhaltung der Vorschriften der Verordnung → besser aufteilen!

Deverbale Nomen in Fachtexten

Wissenschaftliche, juristische und administrative Texte verwenden systematisch deverbale Nomen (= aus Verben abgeleitete Nomen). Dies erzeugt einen sachlichen, verdichteten Stil.

Verbalstil Nominalstil (mit Nominalisierung)
Man hat die Daten analysiert. die Analyse der Daten
Die Regierung hat die Reform beschlossen. der Beschluss der Regierung zur Reform
Die Behörde genehmigt den Antrag. die Genehmigung des Antrags
Die Kosten sind gestiegen. der Anstieg der Kosten

Rücktransformation: Nominal → Verbal

Um komplexe Fachtexte zu verstehen oder zu vereinfachen, hilft die Rücktransformation von Nominalisierungen in verbale Strukturen.

Schritt Aktion Beispiel
1 Nominalisierung identifizieren die Überprüfung des Antrags
2 Basisverb finden Überprüfung → überprüfen
3 Agens bestimmen (Wer handelt?) die Behörde (aus dem Kontext)
4 Satz bilden Die Behörde überprüft den Antrag.

Übungsbeispiele

  • Nominal: Die Durchführung der Studie erfolgte im Frühjahr.
  • Verbal: Die Forscher führten die Studie im Frühjahr durch.
  • Nominal: Die Senkung der Steuern wurde beschlossen.
  • Verbal: Man beschloss, die Steuern zu senken.

Stilistische Entscheidungen

Die Wahl zwischen verbaler und nominaler Formulierung hängt von Textsorte, Leserschaft und Kommunikationsziel ab.

Nominalstil geeignet Verbalstil geeignet
Wissenschaftliche Texte Journalistische Texte
Verwaltungstexte, Gesetze Erzähltexte, Belletristik
Gutachten, Protokolle Anleitungen, Erklärungen
Verdichtung gewünscht Verständlichkeit im Vordergrund
Tipp: Übermäßiger Nominalstil ist ein häufiger Stilfehler. Wenn ein Text schwer lesbar wirkt, liegt es oft an zu vielen Nominalisierungen hintereinander. Die Lösung: Schlüsselstellen in den Verbalstil umformen.

Zusammenfassung

Häufig gestellte Fragen – FAQ

Welche Suffixe bilden verbale Nominalisierungen?

Die wichtigsten Suffixe: -ung (die häufigste Form): erforschen → Erforschung. -nis: erkennen → Erkenntnis. -e: suchen → Suche. Infinitiv als Nomen (immer Neutrum): das Lernen, das Schreiben. Dazu: -tion/-ierung bei Fremdwörtern: organisieren → Organisation.

Wie werden komplexe Nominalisierungen erweitert?

In Fachtexten tragen Nominalisierungen oft Genitivattribute und Präpositionalattribute: die Durchführung der geplanten Maßnahmen, die Entscheidung über den Antrag. Diese Strukturen können verschachtelt werden und machen Texte sehr dicht.

Was ist Rücktransformation?

Rücktransformation bedeutet, Nominalisierungen in verbale Strukturen umzuschreiben: die Überprüfung des Antragsden Antrag überprüfen. Diese Technik hilft beim Verstehen komplexer Fachtexte und beim Vereinfachen von Texten.

Wann ist Nominalisierung stilistisch angemessen?

Nominalisierungen sind angemessen in formellen Texten: Wissenschaft, Verwaltung, Recht. Sie wirken unpersönlich, sachlich und verdichtet. In Alltagstexten oder bei übermäßigem Gebrauch erzeugen sie den „Nominalstil“, der schwer lesbar wirkt. Die Balance zwischen Nominal- und Verbalstil ist entscheidend.

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