GER-Niveau C1 • Pronomen

Pronomen in wissenschaftlichen und offiziellen Texten

Auf C1-Niveau verwenden Sie Pronomen stilsicher in wissenschaftlichen und offiziellen Texten. Sie kennen das generische man für allgemeine Aussagen, das institutionelle wir (Pluralis Modestiae) und unpersönliche Konstruktionen mit es als Strategien der Distanzierung und Objektivität.

Kernregel: Generisches man: Man kann davon ausgehen, dass… (= allgemein gültig). Institutionelles wir: In unserer Studie zeigen wir, dass… (= die Autoren). Unpersönliches es: Es lässt sich feststellen, dass… (= objektive Feststellung). Alle drei Strategien vermeiden das persönliche ich.

Warum vermeidet man ich in wissenschaftlichen Texten?

In der deutschen Wissenschaftstradition gilt das persönliche ich häufig als zu subjektiv. Stattdessen verwendet man Strategien, die Distanz und Objektivität signalisieren:

Zu subjektiv

  • Ich habe die Daten analysiert und ich bin zu dem Ergebnis gekommen, dass…

Distanziert und objektiv

  • Die Daten wurden analysiert. Es zeigt sich, dass…
  • In der vorliegenden Studie wird gezeigt, dass…

Generisches man

Das generische man drückt allgemeine Gültigkeit aus, ohne eine bestimmte Person zu benennen. Es wird in wissenschaftlichen und offiziellen Texten häufig eingesetzt:

Deklination: Nominativ: man – Akkusativ: einen – Dativ: einem. Beispiel: Das kann einen zu falschen Schlüssen führen.

Institutionelles wir (Pluralis Modestiae)

Das institutionelle wir bezeichnet die Autoren einer Studie oder die Mitglieder einer Institution. Es ist weniger persönlich als ich, aber konkreter als man:

Achtung: Das institutionelle wir wird auch von Einzelautoren verwendet („Pluralis Modestiae“). In manchen Disziplinen (z. B. Naturwissenschaften) ist es Standard, in anderen (z. B. Philosophie) wird eher ich akzeptiert.

Unpersönliches es

Konstruktionen mit unpersönlichem es betonen das Ergebnis und vermeiden die Nennung des Handelnden:

KonstruktionBeispiel
es + lässt sich + InfinitivEs lässt sich feststellen, dass…
es + ist + zu + InfinitivEs ist festzustellen, dass…
es + zeigt sich, dassEs zeigt sich, dass die Werte sinken.
es + ergibt sichEs ergibt sich daraus, dass…
es + wird + Partizip IIEs wurde festgestellt, dass…

Weitere unpersönliche Strategien

Neben man, wir und unpersönlichem es gibt es weitere Möglichkeiten, das ich zu vermeiden:

Zusammenfassung

Häufig gestellte Fragen – FAQ

Warum vermeidet man ich in wissenschaftlichen Texten?

Das persönliche ich gilt in deutschen wissenschaftlichen Texten traditionell als zu subjektiv. Stattdessen verwendet man objektivierende Strategien: generisches man, Autorenplural wir oder Passivkonstruktionen. Allerdings akzeptieren manche moderne Stilrichtlinien ein gezieltes ich bei persönlichen Entscheidungen: In meiner Analyse konzentriere ich mich auf…

Was ist das institutionelle wir?

Das institutionelle wir (Pluralis Modestiae) bezeichnet die Autoren einer Studie oder die Mitglieder einer Institution: In der vorliegenden Studie untersuchen wir Wir kommen zu dem Ergebnis, dass… Es ist weniger persönlich als ich, aber konkreter als man.

Wie wird generisches man in offiziellen Texten eingesetzt?

Generisches man drückt allgemeine Gültigkeit aus: Man kann davon ausgehen, dass… Man sollte beachten, dass… In offiziellen Texten (Verwaltung, Recht) findet man auch: Wie man dem Bericht entnehmen kann… Achtung: Man darf nicht mit Mann verwechselt werden.

Welche unpersönlichen Konstruktionen ersetzen Pronomen?

Häufige unpersönliche Alternativen: Es ist festzustellen, dass… Es lässt sich zeigen, dass… Es ergibt sich daraus, dass… Auch Passiv ohne Agens: Die Daten wurden analysiert. (statt: Wir analysierten die Daten.) Diese Formen betonen das Ergebnis, nicht den Handelnden.

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