CEFR B2 • Verben

Verbvalenz und Ergänzungen

Auf B2-Niveau lernen Sie das Konzept der Verbvalenz: Jedes Verb bestimmt, wie viele und welche Ergänzungen es braucht. Schenken verlangt drei Ergänzungen (Subjekt + Dativ + Akkusativ), schlafen nur eine (Subjekt). Dieses Wissen hilft Ihnen, grammatisch korrekte und natürliche Sätze zu bilden.

Kernregel: Die Valenz eines Verbs legt fest, welche Ergänzungen obligatorisch sind: Er gibt [dem Kind] [einen Ball] — geben verlangt Nominativ + Dativ + Akkusativ.

Auf B2-Niveau beschäftigt man sich mit der Verbvalenz – einem zentralen Konzept der deutschen Grammatik, das bestimmt, wie viele und welche Art von Ergänzungen ein Verb verlangt. Wer die Valenz eines Verbs kennt, kann korrekte und vollständige Sätze bilden.

Kernregel: Die Valenz eines Verbs legt fest, wie viele und welche Art von Ergänzungen (Subjekt, Objekte, Präpositionalphrasen usw.) es braucht, um einen grammatisch vollständigen Satz zu bilden. Wie in der Chemie: Ein Atom braucht eine bestimmte Anzahl von Bindungen – ein Verb braucht eine bestimmte Anzahl von Ergänzungen.

Was ist Verbvalenz?

Die Verbvalenz beschreibt die Fähigkeit eines Verbs, bestimmte Satzglieder an sich zu binden. Man unterscheidet Verben nach der Anzahl ihrer Ergänzungen:

Einwertig (eine Ergänzung)

  • schlafen: Das Kind schläft. → nur Subjekt
  • regnen: Es regnet. → nur Subjekt (unpersonell)

Zweiwertig (zwei Ergänzungen)

  • lesen: Sie liest ein Buch. → Subjekt + Akkusativ
  • helfen: Er hilft dem Kind. → Subjekt + Dativ

Dreiwertig (drei Ergänzungen)

  • geben: Sie gibt ihm das Buch. → Subjekt + Dativ + Akkusativ
  • schenken: Er schenkt ihr eine Blume. → Subjekt + Dativ + Akkusativ
Merkhilfe: Stellen Sie sich das Verb als Magnet vor: Je nach Stärke (Valenz) zieht es eine unterschiedliche Anzahl von Satzgliedern an.

Ergänzungen vs. Angaben

Im Deutschen muss man zwischen Ergänzungen und Angaben unterscheiden – diese Unterscheidung ist für den korrekten Satzbau entscheidend:

Ergänzungen (obligatorisch oder fakultativ)

  • Werden vom Verb gefordert
  • Können nicht entfernt werden, ohne dass der Satz unvollständig wird
  • Stehen im Valenzrahmen des Verbs

Angaben (freie Adverbiale)

  • Sind optional und nicht vom Verb gefordert
  • Liefern zusätzliche Informationen (Zeit, Ort, Art und Weise)
  • Können frei hinzugefügt oder gestrichen werden
Beispiel: „Er gibt ihr das Buch morgen im Büro.“
ihr (Dativergänzung) und das Buch (Akkusativergänzung) sind Ergänzungen – ohne sie wäre der Satz unvollständig.
morgen (Temporalangabe) und im Büro (Lokalangabe) sind Angaben – man kann sie weglassen: „Er gibt ihr das Buch.“

Typen von Ergänzungen

Im Deutschen gibt es verschiedene Typen von Ergänzungen, die ein Verb fordern kann:

Typ Frage Beispielverben Beispiel
Nominativergänzung (Subjekt) Wer? / Was? alle Verben Der Hund schläft.
Akkusativergänzung Wen? / Was? lesen, kaufen, sehen Sie liest ein Buch.
Dativergänzung Wem? helfen, danken, gehören Er hilft dem Kind.
Genitivergänzung Wessen? bedürfen, sich erinnern Die Sache bedarf einer Klärung.
Präpositionalergänzung Wo(r)+Präp? warten auf, sich freuen über Er wartet auf den Bus.
Situativergänzung Wo? wohnen, stehen, liegen Sie wohnt in Berlin.
Direktivergänzung Wohin? gehen, fahren, reisen Wir fahren nach Hamburg.
Tipp: Die Genitivergänzung ist selten und kommt vor allem in formeller oder gehobener Sprache vor. In der Alltagssprache wird sie oft durch eine Präpositionalergänzung ersetzt: sich erinnern an statt sich einer Sache erinnern.

Satzbaupläne

Jedes Verb hat einen festen Satzbauplan, der zeigt, welche Ergänzungen es verlangt. Hier sind die wichtigsten Muster:

Satzbauplan Struktur Beispiel
Subjekt + Verb Nom. + V Er schläft.
Subjekt + Akkusativ Nom. + V + Akk. Sie liest ein Buch.
Subjekt + Dativ Nom. + V + Dat. Er hilft dem Kind.
Subjekt + Dativ + Akkusativ Nom. + V + Dat. + Akk. Sie gibt ihm das Geld.
Subjekt + Präpositionalerg. Nom. + V + Präp. Er wartet auf den Bus.
Subjekt + Situativerg. Nom. + V + Sit. Sie wohnt in Berlin.
Subjekt + Direktiverg. Nom. + V + Dir. Wir fahren nach München.
Wichtig: Der Satzbauplan ist für jedes Verb festgelegt. Man kann ihn nicht frei ändern. Deshalb ist es wichtig, beim Lernen eines neuen Verbs immer den Satzbauplan mitzulernen: warten auf + Akk., sich freuen über + Akk.

Verben mit Präpositionalergänzung

Viele deutsche Verben verlangen eine feste Präposition, die nicht frei gewählt werden kann – sie gehört zum Verb. Das ist ein besonders wichtiges B2-Thema:

Verb Präposition + Kasus Beispiel
warten auf + Akkusativ Ich warte auf den Bus.
sich freuen über + Akkusativ Sie freut sich über das Geschenk.
bestehen aus + Dativ Das Team besteht aus zehn Leuten.
abhängen von + Dativ Es hängt vom Wetter ab.
sich erinnern an + Akkusativ Ich erinnere mich an den Urlaub.
teilnehmen an + Dativ Wir nehmen am Kurs teil.
sich kümmern um + Akkusativ Er kümmert sich um die Kinder.
verzichten auf + Akkusativ Sie verzichtet auf das Geld.
Pronominaladverbien: Bei Sachen verwendet man da(r)+ Präposition: darauf, darüber, daran. Bei Personen fragt man mit Präposition + wen/wem.

Beispiel: Worauf wartest du?Ich warte darauf. (Sache)
Aber: Auf wen wartest du?Ich warte auf meinen Freund. (Person)

Obligatorische und fakultative Ergänzungen

Nicht alle Ergänzungen müssen immer realisiert werden. Man unterscheidet zwischen obligatorischen und fakultativen Ergänzungen:

Fakultative Ergänzungen

  • essen: Subjekt (obligatorisch) + Akkusativ (fakultativ)
  • → Er isst. (vollständig!)
  • → Er isst einen Apfel. (mit Ergänzung)
  • lesen: Subjekt (obligatorisch) + Akkusativ (fakultativ)
  • → Sie liest. (vollständig!)
  • → Sie liest die Zeitung. (mit Ergänzung)

Obligatorische Ergänzungen

  • geben: Subjekt + Dativ + Akkusativ (alle obligatorisch)
  • → *Er gibt. (unvollständig!)
  • → Er gibt ihr das Buch. (korrekt)
  • wohnen: Subjekt + Situativergänzung (obligatorisch)
  • → *Sie wohnt. (unvollständig!)
  • → Sie wohnt in Berlin. (korrekt)
Regel: Ob eine Ergänzung obligatorisch oder fakultativ ist, hängt vom jeweiligen Verb ab. Ein gutes Lernwörterbuch gibt immer die Valenz an – z. B.: essen Vt (fakultativ), geben Vt (jdm. etw.).

Zusammenfassung

Häufig gestellte Fragen – FAQ

Was bedeutet Verbvalenz?

Die Valenz (Wertigkeit) eines Verbs beschreibt, wie viele und welche Ergänzungen es verlangt, um einen grammatisch vollständigen Satz zu bilden. Schlafen ist einwertig (nur Subjekt), lesen ist zweiwertig (Subjekt + Akkusativ), geben ist dreiwertig (Subjekt + Dativ + Akkusativ).

Was ist der Unterschied zwischen Ergänzungen und Angaben?

Ergänzungen sind vom Verb gefordert und notwendig für einen grammatisch vollständigen Satz: Er gibt ihr das Buch. Angaben (freie Adverbiale) sind optional und liefern Zusatzinformation: Er gibt ihr das Buch morgen im Büro.

Was sind Präpositionalergänzungen?

Manche Verben verlangen eine feste Präposition + Kasus: warten auf + Akk., sich freuen über + Akk., bestehen aus + Dat. Die Präposition ist nicht frei wählbar, sondern gehört fest zum Verb. Man spricht von Präpositionalergänzungen oder Präpositionalobjekten.

Wie erkennt man, welche Ergänzungen ein Verb braucht?

Am sichersten: im Wörterbuch nachschlagen — dort steht die Valenz angegeben. Man kann auch Fragen stellen: Wer? (Nominativ), Wen/Was? (Akkusativ), Wem? (Dativ), Wofür/Worüber? (Präpositional). Wenn der Satz ohne die Ergänzung unvollständig klingt, ist sie obligatorisch.

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