GER-Niveau C1 • Verben

Modalverben in subjektiver Bedeutung

Auf C1-Niveau unterscheiden Sie sicher zwischen objektiver und subjektiver Bedeutung der Modalverben, bilden die subjektive Vergangenheit und beherrschen den Doppelinfinitiv.

Kernregel Subjektive Vergangenheit: Modalverb + Partizip II + haben/sein. Doppelinfinitiv: Ich habe arbeiten müssen (nicht: gemusst). Im Nebensatz rückt haben vor den Doppelinfinitiv.

Modalverben in subjektiver Bedeutung

ModalverbBedeutungGegenwartVergangenheit
müssen logischer Schluss (~95%) Er muss krank sein. Er muss krank gewesen sein.
dürfte begründete Vermutung (~80%) Sie dürfte zu Hause sein. Sie dürfte das Buch gelesen haben.
könnte Möglichkeit (~50%) Es könnte regnen. Er könnte den Schlüssel verloren haben.
sollen Hörensagen (fremde Quelle) Er soll reich sein. Er soll im Krieg gewesen sein.
wollen Behauptung des Subjekts Sie will Ärztin sein. Sie will den Diebstahl gesehen haben.
mag einräumende Vermutung (gehoben) Das mag stimmen. Er mag seine Gründe gehabt haben.
Bildung Vergangenheit: Modalverb (Präs./Konj. II) + Partizip II + haben/sein (Infinitiv).

Objektiv vs. subjektiv: Kontrast

ModalverbObjektiv (Vergangenheit)Subjektiv (Vergangenheit)
müssen Er musste arbeiten. (Pflicht) Er muss gearbeitet haben. (Vermutung)
sollen Er sollte kommen. (Auftrag) Er soll gekommen sein. (Hörensagen)
wollen Sie wollte abreisen. (Absicht) Sie will abgereist sein. (Behauptung)

Doppelinfinitiv

Im Perfekt/Plusquamperfekt mit Vollverb steht kein Partizip (gemusst), sondern der Doppelinfinitiv:

Modalverb alleinModalverb + Vollverb (Doppelinfinitiv)
Ich habe es gemusst. Ich habe arbeiten müssen.
Sie hat es gewollt. Sie hat kommen wollen.

Doppelinfinitiv im Nebensatz

Das finite haben/hatte rückt vor den Doppelinfinitiv:

Normal
  • … weil ich gestern gearbeitet habe.
Doppelinfinitiv
  • … weil ich gestern habe arbeiten müssen.
Auch sehen, hören, lassen verlangen den Doppelinfinitiv: Ich habe ihn kommen sehen. / Sie hat das Auto reparieren lassen.

Modalverbähnliche Verben

Diese Verben verwenden zu + Infinitiv (kein Doppelinfinitiv):

VerbBedeutungBeispiel
scheinen + zu Vermutung Er scheint krank zu sein.
drohen + zu negative Wahrscheinlichkeit Das Projekt droht zu scheitern.
pflegen + zu Gewohnheit (gehoben) Er pflegt früh aufzustehen.
brauchen + nicht + zu Negation von müssen Du brauchst nicht zu kommen.

Häufig gestellte Fragen – FAQ

Objektiv vs. subjektiv?

Objektiv: Er musste arbeiten (Pflicht). Subjektiv: Er muss krank gewesen sein (Vermutung). Subjektive Vergangenheit = Modalverb + Partizip II + haben/sein.

Wie bildet man den Doppelinfinitiv?

haben + Vollverb-Infinitiv + Modalverb-Infinitiv: Ich habe arbeiten müssen (nicht: gemusst). Gilt auch für sehen, hören, lassen: Ich habe ihn kommen sehen.

Doppelinfinitiv im Nebensatz?

Das finite haben/hatte rückt vor den Doppelinfinitiv: ... weil ich habe arbeiten müssen.

Was bedeuten sollen und wollen subjektiv?

sollen = Hörensagen (Er soll reich sein = man sagt das). wollen = Behauptung des Subjekts (Sie will es gesehen haben = sie behauptet es).

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