Auf dem GER-Niveau C1 reicht es nicht mehr, die vier Kasus nur grob zu kennen. Texte und Reden auf hohem Niveau verlangen drei Sicherheiten: erstens die korrekte n-Deklination der schwachen Maskulina (dem Studenten, nicht dem Student), zweitens die Fähigkeit, jederzeit zu erkennen, was in einem Satz den Kasus eines Nomens bestimmt (Verb, Präposition, Adjektiv, Apposition), und drittens die treffsichere Verwendung von Genitivattributen in komplexen Nominalgruppen.
Eine geschlossene Gruppe maskuliner Nomen folgt der n-Deklination: In allen Kasus außer dem Nominativ Singular tragen sie die Endung -(e)n.
| Kasus | der Mensch | der Student | der Name (Sondergr.) |
|---|---|---|---|
| Nominativ Sg. | der Mensch | der Student | der Name |
| Akkusativ Sg. | den Menschen | den Studenten | den Namen |
| Dativ Sg. | dem Menschen | dem Studenten | dem Namen |
| Genitiv Sg. | des Menschen | des Studenten | des Namens (+s!) |
| Nominativ Pl. | die Menschen | die Studenten | die Namen |
| Genitiv Pl. | der Menschen | der Studenten | der Namen |
Der Kasus eines Nomens wird immer von einem regierenden Element bestimmt. Es gibt vier typische Kasusgeber:
Das Verb verlangt seine Ergänzungen in einem festen Kasus.
Jede Präposition regiert einen festen Kasus - unabhängig vom Verb.
Auch viele Adjektive verlangen einen bestimmten Kasus für ihre Ergänzung.
Eine enge Apposition erklärt oder präzisiert ein Bezugswort und steht im gleichen Kasus.
Genitivattribute stehen nach dem Nomen und drücken verschiedene Beziehungen aus:
| Typ | Funktion | Beispiel |
|---|---|---|
| Genitivus possessivus | Zugehörigkeit, Besitz | das Büro des Direktors |
| Genitivus partitivus | Teil eines Ganzen | die Hälfte der Bevölkerung |
| Genitivus qualitatis | Eigenschaft, Beschaffenheit | ein Mann großer Erfahrung |
| Genitivus subiectivus | Handelnder (Agens) | die Entscheidung der Regierung (= die Regierung entscheidet) |
| Genitivus obiectivus | Betroffener (Patiens) | die Befragung der Zeugen (= man befragt die Zeugen) |
Nachgestellte Attribute folgen einer festen Reihenfolge: Genitivattribut → Präpositionalattribut → Relativsatz.
In formellen Texten wird der Genitiv bevorzugt; umgangssprachlich tritt oft von + Dativ an seine Stelle:
Die n-Deklination (auch: schwache Deklination der Maskulina) betrifft eine geschlossene Gruppe maskuliner Nomen, die in allen Kasus außer dem Nominativ Singular die Endung -(e)n tragen. Dazu gehören Personenbezeichnungen auf -e (der Junge, der Kunde, der Kollege), viele Tierbezeichnungen (der Löwe, der Affe), zahlreiche Fremdwörter mit Endbetonung (der Student, der Polizist, der Tourist, der Präsident, der Philosoph) sowie einige Einzelwörter wie der Mensch, der Herr, der Bauer, der Nachbar.
Eine kleine Untergruppe (der Name, der Buchstabe, der Gedanke, der Glaube, der Wille, der Friede) folgt der n-Deklination, hat aber im Genitiv Singular zusätzlich -s: des Namens, des Buchstabens, des Gedankens. Bei der Herr lautet der Singular den/dem/des Herrn (nur ein -n), der Plural dagegen die Herren (mit -en).
Vier Kasusgeber sind zu unterscheiden: (1) das Verb mit seiner Valenz (helfen + Dativ, gedenken + Genitiv); (2) die Präposition mit festem Kasus (mit + Dativ, für + Akkusativ, wegen + Genitiv); (3) das Adjektiv mit Ergänzung (treu + Dativ, überdrüssig + Genitiv); (4) das Bezugsnomen bei einer Apposition (Apposition steht im gleichen Kasus wie ihr Bezugswort).
Ja, das ist die Grundregel: Ich helfe Herrn Müller, meinem alten Nachbarn. (Bezugswort im Dativ → Apposition ebenfalls im Dativ.) Beachten Sie, dass Herr selbst der n-Deklination folgt (Herrn Müller) und dass auch das schwach deklinierte Adjektiv in der Apposition kongruent ist. Lockere Appositionen mit als oder wie stehen meist im Nominativ.
In der gehobenen Standardsprache und in Fachtexten ist der Genitiv die Normalform (die Folgen des Klimawandels). Eine von-Phrase ist obligatorisch bei artikellosen Pluralnomen ohne Adjektiv (die Meinung von Experten, nicht *die Meinung Experten), nach Mengenangaben (eine Gruppe von Touristen) und bei artikellosen Eigennamen (die Werke von Goethe). Umgangssprachlich ist die von-Phrase weit verbreitet, in C1-Texten aber zu vermeiden.