GER-Niveau B2 • Verben

Modalverben in subjektiver Bedeutung

Auf B2-Niveau lernen Sie, dass Modalverben nicht nur Fähigkeit, Erlaubnis oder Pflicht ausdrücken, sondern auch Vermutungen, Annahmen und Gerüchte. Diese subjektive Bedeutung ist typisch für Nachrichten, Berichte und formelle Texte.

Kernregel Subjektive Modalverben drücken die Einschätzung des Sprechers aus: müssen (fast sicher), dürfen (wahrscheinlich), können (möglich), sollen/wollen (Gerücht/Behauptung), mögen (Einräumung).

Objektive vs. subjektive Bedeutung

Modalverben haben zwei Bedeutungsebenen:

Objektiv (Fähigkeit, Pflicht, Erlaubnis)
  • „Er muss arbeiten.“ – Er ist verpflichtet.
  • „Sie kann Klavier spielen.“ – Sie hat die Fähigkeit.
  • „Du darfst gehen.“ – Du hast Erlaubnis.
Subjektiv (Vermutung, Gerücht)
  • „Er muss krank sein.“ – Ich bin fast sicher.
  • „Sie kann recht haben.“ – Es ist möglich.
  • „Er dürfte unterwegs sein.“ – Wahrscheinlich.
Merke: In der subjektiven Bedeutung drückt das Modalverb die Einschätzung des Sprechers aus, nicht eine Fähigkeit oder Pflicht. Der Kontext entscheidet!

Vermutungsskala: von sicher bis möglich

SicherheitModalverbBeispiel
★★★★ fast sichermüssenEr muss krank sein. (≈ 95 %)
★★★ wahrscheinlichdürften (Konj. II)Sie dürfte recht haben. (≈ 75 %)
★★ möglichkönnenDas kann stimmen. (≈ 50 %)
★ einräumendmögenDas mag sein. (Einräumung)

sollen und wollen – Gerücht und Behauptung

sollen – Gerücht, Hörensagen

Der Sprecher gibt wieder, was andere sagen:

  • Er soll sehr reich sein. – Man sagt, dass er reich ist.
  • Das Restaurant soll ausgezeichnet sein.
  • Sie soll gekündigt haben. – Es heißt, dass sie gekündigt hat.

wollen – unbeglaubigte Behauptung

Das Subjekt selbst behauptet etwas; der Sprecher zweifelt:

  • Er will nichts davon gewusst haben. – Er behauptet es, ich bezweifle es.
  • Sie will die Chefin persönlich kennen.

Vermutung in der Vergangenheit

Modalverb (Präsens) + Partizip II + haben/sein:

  • Er muss verschlafen haben. – Er hat fast sicher verschlafen.
  • Sie dürfte abgereist sein. – Sie ist wahrscheinlich abgereist.
  • Er kann den Zug verpasst haben. – Es ist möglich.
  • Er soll eine Million gewonnen haben. – Man sagt das (Gerücht).
  • Er will das allein geschafft haben. – Er behauptet es.
Regel: Das Modalverb bleibt im Präsens (oder Präteritum). Die Vergangenheit wird durch Partizip II + haben/sein (Infinitiv Perfekt) ausgedrückt.

Häufig gestellte Fragen – FAQ

Was ist die subjektive Bedeutung der Modalverben?

In der subjektiven Bedeutung drücken Modalverben die Einschätzung des Sprechers aus, nicht eine Fähigkeit oder Pflicht. Er muss krank sein = Ich bin fast sicher, dass er krank ist. Sie dürfte recht haben = Wahrscheinlich hat sie recht.

Wie unterscheidet man objektive und subjektive Modalverben?

Objektiv: Er muss arbeiten = Er ist verpflichtet zu arbeiten. Subjektiv: Er muss reich sein = Ich bin fast sicher, dass er reich ist. Der Kontext entscheidet über die Bedeutung.

Wie drückt man Vermutungen in der Vergangenheit aus?

Modalverb + Partizip II + haben/sein: Er muss verschlafen haben = Er hat fast sicher verschlafen. Sie dürfte abgereist sein = Sie ist wahrscheinlich abgereist.

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