CEFR B2 • Nomen und Artikel
Auf B2-Niveau lernt man erweiterte Nominalgruppen kennen. Sie sind typisch für formales Schriftdeutsch und ersetzen Relativsätze durch kompakte Partizipialattribute, die zwischen Artikel und Nomen stehen.
Kernregel: Eine erweiterte Nominalgruppe ersetzt einen Relativsatz durch ein Partizipialattribut. Alle Erweiterungen stehen zwischen Artikel und Nomen.
At CEFR level B2, learners study erweiterte Nominalgruppen (extended noun phrases) — a hallmark of formal written German that replaces relative clauses with compact participial attributes placed between the article and the noun.
Kernregel: Eine erweiterte Nominalgruppe ersetzt einen Relativsatz durch ein Partizipialattribut. Alle Erweiterungen stehen zwischen Artikel und Nomen.
Aufbau
Das Partizip steht direkt vor dem Nomen und trägt eine Adjektivendung. Alle weiteren Ergänzungen werden links vor das Partizip gestellt.
| Artikel |
Erweiterung |
Partizip |
Nomen |
| die |
seit Jahren |
diskutierte |
Reform |
| der |
aus Berlin |
stammende |
Forscher |
| ein |
von Experten |
empfohlener |
Plan |
| das |
gestern |
gestartete |
Projekt |
Partizip I: aktive Gleichzeitigkeit
Das Partizip I (Infinitiv + -d) beschreibt eine Handlung, die gleichzeitig mit dem Hauptsatz aktiv abläuft.
Bildung
- wachsen → wachsend-
- steigen → steigend-
- zunehmen → zunehmend-
- folgen → folgend-
Erweiterung Schritt für Schritt
- die wachsende Bevölkerung the growing population
- die schnell wachsende Bevölkerung
- die in den Städten schnell wachsende Bevölkerung
Tipp: Partizip I entspricht einem Aktivsatz im Präsens: die wachsende Bevölkerung = die Bevölkerung, die wächst.
Partizip II: Abschluss oder Passiv
Das Partizip II beschreibt eine abgeschlossene Handlung oder einen passivischen Zustand. Es entspricht einem Relativsatz im Passiv oder Perfekt.
Erweiterung Schritt für Schritt
- ein beschlossenes Gesetz
- ein gestern beschlossenes Gesetz
- ein vom Parlament beschlossenes Gesetz
Weitere Beispiele
- die veröffentlichten Ergebnisse the published results
- die kürzlich veröffentlichten Ergebnisse
- ein von Kritikern gelobter Film a film praised by critics
Hinweis: Verben mit sein im Perfekt können ebenfalls als Attribut stehen: der angekommene Zug, die eingeschlafene Kollegin.
Relativsatz und Nominalgruppe im Vergleich
Beide Formen sind grammatisch gleichwertig. Die Nominalgruppe ist charakteristisch für formale Schriftsprache; der Relativsatz dominiert in der gesprochenen Sprache.
Relativsatz
- der Forscher, der aus Berlin stammt
- die Reform, die diskutiert wird
- ein Plan, der von Experten empfohlen wird
- das Projekt, das gestern gestartet wurde
Erweiterte Nominalgruppe
- der aus Berlin stammende Forscher
- die diskutierte Reform
- ein von Experten empfohlener Plan
- das gestern gestartete Projekt
Registerhinweis: In Zeitungsartikeln, wissenschaftlichen Texten und Amtssprache überwiegen erweiterte Nominalgruppen. Im Gespräch sind Relativsätze natürlicher.
Zusammenfassung
- Aufbau: Artikel + [Erweiterung] + Partizip + Nomen.
- Partizip I für aktive, gleichzeitige Handlungen (die wachsende Bevölkerung).
- Partizip II für abgeschlossene oder passivische Handlungen (ein beschlossenes Gesetz).
- Adjektivendung richtet sich nach Artikel, Genus und Kasus des Nomens.
- Register: Erweiterte Nominalgruppen sind typisch für formale Schriftsprache.
Häufig gestellte Fragen – FAQ
Was ist eine erweiterte Nominalgruppe?
Eine erweiterte Nominalgruppe ist eine kompakte Alternative zum Relativsatz. Ein Partizip (I oder II) mit Adjektivendung steht direkt vor dem Nomen, und alle Erweiterungen stehen zwischen Artikel und Partizip: der aus Berlin stammende Forscher statt der Forscher, der aus Berlin stammt.
Was ist der Unterschied zwischen Partizip I und Partizip II als Attribut?
Partizip I (Infinitiv + -d) drückt eine aktive, gleichzeitige Handlung aus: die wachsende Bevölkerung. Partizip II drückt eine abgeschlossene oder passive Handlung aus: ein beschlossenes Gesetz. Beide werden wie Adjektive dekliniert und richten sich nach Genus, Kasus und Artikel des Nomens.
Wann sollte man eine erweiterte Nominalgruppe statt eines Relativsatzes verwenden?
Erweiterte Nominalgruppen sind typisch für formales Schriftdeutsch: Zeitungen, wissenschaftliche Texte und offizielle Dokumente. In der gesprochenen Sprache sind Relativsätze natürlicher und leichter verständlich. Guter Stil kombiniert beide Formen je nach Register und Lesbarkeit.
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