Auf B2-Niveau vertiefen Sie den Genitiv als Marker für formelle, gehobene Sprache. Im Alltag wird der Genitiv oft durch von + Dativ ersetzt – in Schriftsprache, Amtsdeutsch und Wissenschaft ist er jedoch unverzichtbar.
Kernregel: Der Genitiv drückt Besitz und Zugehörigkeit aus: die Meinung des Experten. In gehobener Sprache steht er auch nach bestimmten Verben (sich bedienen, bedürfen) und in festen Wendungen (meines Erachtens).
Attributiver Genitiv in gehobener Sprache
In der Alltagssprache wird der Genitiv oft durch von + Dativ ersetzt. In gehobener Schriftsprache (Zeitungen, Wissenschaft, Literatur) ist der Genitiv jedoch Standard:
- die Meinung des Experten
- die Ursache des Problems
- am Ende des Tages
- die Meinung vom Experten
- die Ursache von dem Problem
- am Ende vom Tag
Merke: Im Genitiv Singular bekommen maskuline und neutrale Nomen die Endung -(e)s: des Tages, des Problems, des Experten (schwache Deklination: -en).
Verben mit Genitivobjekt
Einige formelle Verben verlangen ein Objekt im Genitiv. Sie kommen vor allem in der Rechts-, Amts- und Wissenschaftssprache vor:
| Verb | Bedeutung | Beispiel |
| bedürfen | brauchen, benötigen | Dieser Plan bedarf einer gründlichen Prüfung. |
| sich bedienen | benutzen, gebrauchen | Er bedient sich einer eleganten Sprache. |
| sich rühmen | stolz sein auf | Die Stadt rühmt sich ihrer langen Geschichte. |
| sich enthalten | verzichten auf | Er enthält sich jeder Kritik. |
| anklagen | beschuldigen | Man klagte ihn des Betrugs an. |
Feste Wendungen mit Genitiv
Viele feste Wendungen und Redewendungen verwenden den Genitiv. Sie sind typisch für formelle Texte und Präsentationen:
Häufige Wendungen
- meines Erachtens – meiner Meinung nach
- meines Wissens – soweit ich weiß
- angesichts der Lage – in Anbetracht der Lage
- aufgrund des Wetters – wegen des Wetters
- infolge des Unfalls – als Folge des Unfalls
- jenseits aller Erwartungen – über alle Erwartungen hinaus
In Briefen und Reden
- Ich bin der Meinung, dass …
- Der Einfachheit halber … (um es einfach zu machen)
- Im Laufe des Gesprächs …
- Mangels besserer Alternativen …
Zusammenfassung
- Attributiver Genitiv statt von + Dativ ist Standard in gehobener Sprache.
- Einige formelle Verben verlangen ein Genitivobjekt (bedürfen, sich bedienen, sich rühmen).
- Viele feste Wendungen verwenden den Genitiv (meines Erachtens, aufgrund, angesichts).
- Im Genitiv Sg. erhalten maskuline/neutrale Nomen -(e)s.
Häufig gestellte Fragen – FAQ
Wann verwendet man den Genitiv in gehobener Sprache?
Attributiv: die Ergebnisse der Studie. Nach bestimmten Verben: sich einer Sache bedienen, einer Sache bedürfen. In festen Wendungen: meines Erachtens, aufgrund des Wetters.
Welche Verben verlangen den Genitiv?
In gehobener Sprache: sich bedienen (+ Gen.), bedürfen (+ Gen.), sich erfreuen (+ Gen.), sich enthalten (+ Gen.), jemanden einer Sache beschuldigen. Diese Verben sind typisch für formelle Texte.
Was sind häufige Genitivwendungen?
Meines Erachtens (m.E.), meines Wissens (m.W.), seines Zeichens, letzten Endes, schweren Herzens, guten Gewissens. Diese festen Wendungen sind im formellen Deutsch sehr geläufig.
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