GER-Niveau B2 • Verben

Nomen-Verb-Verbindungen

Auf B2-Niveau lernen Sie Funktionsverbgefüge (FVG), feste Verbindungen aus einem bedeutungsschwachen Verb und einem Nomen, die zusammen eine neue Bedeutung bilden. Sie sind typisch für formale, amtliche und wissenschaftliche Texte: eine Entscheidung treffen statt einfach entscheiden.

Kernregel Funktionsverbgefüge = Funktionsverb (bringen, kommen, stellen, nehmen, …) + Nomen (oft mit Präposition): in Betracht ziehen, zur Verfügung stellen, Einfluss nehmen.

Was sind Funktionsverbgefüge?

Ein Funktionsverbgefüge (FVG) ist eine feste Verbindung aus einem Funktionsverb und einem Nomen (oft mit Präposition). Das Funktionsverb ist bedeutungsschwach, es verliert seine ursprüngliche Bedeutung und dient nur noch als grammatischer Träger (für Tempus, Modus, Person). Die eigentliche Bedeutung steckt im Nomen.

Funktionsverbgefüge

  • eine Entscheidung treffen
  • in Betracht ziehen
  • zur Verfügung stellen
  • Einfluss nehmen

Einfaches Verb (Entsprechung)

  • entscheiden
  • berücksichtigen / beachten
  • bereitstellen
  • beeinflussen
Kernregel: In einem FVG trägt das Nomen die Hauptbedeutung, während das Funktionsverb nur den grammatischen Rahmen liefert. Die Verbindung ist fest, Artikel und Präposition können nicht frei verändert werden: zur Verfügung stellen (nicht: *zu einer Verfügung stellen).

Bildung und Struktur

Funktionsverbgefüge folgen zwei Grundmustern:

Muster Struktur Beispiele
Verb + Akkusativ-Nomen Funktionsverb + (Artikel +) Nomen eine Frage stellen, einen Beitrag leisten, eine Entscheidung treffen
Verb + Präposition + Nomen Funktionsverb + Präp. + (Artikel +) Nomen in Betracht ziehen, zur Verfügung stellen, in Anspruch nehmen
Tipp: Die meisten FVG mit Präposition verwenden in, zur/zum oder unter. Achten Sie auf diese Präpositionen, sie signalisieren oft ein Funktionsverbgefüge.

Die wichtigsten Funktionsverben

Die folgenden Funktionsverben kommen in den meisten FVG vor. Lernen Sie sie zusammen mit ihren typischen Nomen:

Funktionsverb Beispiel-FVG = einfaches Verb
bringen in Ordnung bringen, zum Ausdruck bringen ordnen; ausdrücken
kommen zur Sprache kommen, zum Einsatz kommen besprochen werden; eingesetzt werden
stellen eine Frage stellen, zur Verfügung stellen fragen; bereitstellen
stehen zur Verfügung stehen, unter Druck stehen verfügbar sein; bedrängt sein
nehmen in Anspruch nehmen, Rücksicht nehmen beanspruchen; berücksichtigen
treffen eine Entscheidung treffen, Maßnahmen treffen entscheiden; handeln
geraten in Gefahr geraten, unter Druck geraten gefährdet werden; bedrängt werden
setzen in Kraft setzen, in Bewegung setzen einführen; bewegen

Aktive und passive Bedeutung

Aktiv (stellen, bringen, setzen)
  • zur Verfügung stellen = bereitstellen
  • unter Druck setzen = drängen
  • in Bewegung setzen = bewegen
Passiv (stehen, kommen, geraten)
  • zur Verfügung stehen = verfügbar sein
  • unter Druck geraten = bedroht werden
  • in Bewegung kommen = sich bewegen

Wann verwendet man FVG?

FVG gehören zum formellen Register, typisch für Verwaltung, Nachrichten und Wissenschaft:

  • Wir stellen Ihnen die Unterlagen zur Verfügung. (Behörde)
  • Die Regierung hat Maßnahmen getroffen. (Nachrichten)
  • Wir nehmen Bezug auf Ihr Schreiben vom 15. März. (Geschäftsbrief)
Tipp: Im Alltag klingt ein einfaches Verb natürlicher: Wir haben uns entschieden statt Wir haben eine Entscheidung getroffen. Verwenden Sie FVG gezielt, wenn Sie formell schreiben, zum Beispiel in Bewerbungen, Berichten oder offiziellen E-Mails.

Häufig gestellte Fragen – FAQ

Was ist ein Funktionsverbgefüge?

Ein Funktionsverbgefüge besteht aus einem Verb, das seine ursprüngliche Bedeutung weitgehend verloren hat (Funktionsverb), und einem Nomen, das die Hauptbedeutung trägt: eine Frage stellen = fragen, Kritik üben = kritisieren. Das Verb «funktioniert» nur als grammatischer Träger.

Warum verwendet man Funktionsverbgefüge statt einfacher Verben?

FVG sind typisch für formale und offizielle Sprache (Verwaltung, Wissenschaft, Nachrichten). Sie ermöglichen Differenzierung: eine Entscheidung treffen (neutral) vs. eine Entscheidung fällen (endgültig). Außerdem ermöglichen sie Passiv-ähnliche Bedeutung: zur Diskussion stehen (= diskutiert werden).

Wie unterscheidet man aktive und passive Funktionsverbgefüge?

Aktive FVG (Verben: stellen, bringen, nehmen, treffen): eine Frage stellen = fragen, in Gang bringen = starten. Passive FVG (Verben: stehen, kommen, geraten, finden): zur Diskussion stehen = diskutiert werden, in Gefahr geraten = gefährdet werden.

Welche Funktionsverben sind am häufigsten?

Die wichtigsten Funktionsverben sind: bringen, kommen, stellen, stehen, nehmen, treffen, geraten, ziehen, setzen, leisten, üben, finden, geben. Sie verbinden sich mit Nomen oft über Präpositionen: in Betracht ziehen, zur Verfügung stellen, in Anspruch nehmen.

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